Samstag, November 15, 2008

We love (en français) = Vélo'V

Um den Autoverkehr im Stadtgebiet zu reduzieren, hat Lyon im Mai 2005 damit begonnen, ein Mietfahrradsystem aufzubauen. Mittlerweile ist dieses über drei Jahre alt und die "Vélos" sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Die Fahrräder sind mit einem praktischen Korb und (toll!) einem LED-Bremslicht ausgestattet. Seit seiner Einführung ist das System stetig gewachsen, heute spannt sich ein Netz aus 340 Mietstationen mit über 4000 Fahrrädern über Lyon und das angrenzende Villeurbanne. Zusammen mit dem Bau von Radwegen haben die Mietfahrräder zu einer wesentlichen Zunahme des Fahrradverkehr geführt - bis zu 80%, heißt es. Der klangvolle Name ist ein Wortspiel: Man denke ein wenig frankophon und spreche die englischen Worte "We love" aus. Et voilà: Vélo'V. Es hat wohl eine Weile gedauert, bis ich dahinter gekommen bin.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich an den Automaten ein Fahrrad zu leihen. Für einen Euro druckt dieser eine blaue Papierkarte mit Magnetstreifen aus, die eine Woche lang gültig ist. Bezahlt wird per EC-Karte (der in Frankreich allgegenwärtigen "Carte Bleu"), geübte Benutzer benötigen für diese Prozedur weniger als eine Minute. Es gibt auch rote Karten, die ein ganzes Jahr gültig sind, für die allerdings eine Registrierung notwendig ist. Besonders geschickt: Die Dauerkarten der Lyoner Metro können nach einer Freischaltung im Internet ebenfalls an den Velo-Automaten verwendet werden. Die Rückgabe des Fahrrads an einem beliebigen Automaten ist simpel: Das Fahrrad wird einfach in eine Halterung geschoben und bedankt sich mit einem Piepen für die rasante Fahrt.

Finanziert wird das System durch einen Deal, den Lyon mit dem - auch in Deutschland bekannten - Plakatkleber JCDecaux geschlossen hat: Dieser hat von der Stadt Werbeflächen überlassen bekommen und verpflichtete sich im Gegenzug dazu, die Fahrräder zu warten und zu vertreiben. Für den Nutzer sind die Fahrräder damit quasi umsonst: Die erste halbe Stunde ist gratis, ab dann kostet jede angefangene Stunde in Abhängigkeit der Kartenfarbe 50 Cent (rot) beziehungsweise einen Euro (blau). Da die meisten Strecken in Lyon in weniger als 20 Minuten zu bewältigen sind, fallen so keine Kosten an. Um eine schnelle Rückgabe der Fahrräder zu erreichen, steigen die Kosten für das Mietfahrrad ab eineinhalb Stunden ein bisschen. Aber auch eine lange Herbstfahrradtour hat nicht mehr gekostet als ein Stück haariger, grün-gelb-rot-schimmelnder Saint-Nectaire-Käse. Letzterer wird in Frankreich hochgelobt, ist für mich (Käseliebhaber) aber ungenießbar.

Als stolzer Besitzer eine roten Karte kann ich mir im Übrigen auf der Homepage die Länge meine Fahrstrecken ansehen. Ein Kilometerzähler an Bord protokolliert diese bis auf den Meter genau.

Die rege Annahme der Fahrräder in Lyon beweist, dass viele Menschen durchaus bereit sind, im Alltag auf das Auto in der Stadt zu verzichten. Laut Newsletter wurden seit dem Start 2005 insgesamt 38.750.000 Fahrradkilometer zurückgelegt und so die Emission von 7.700 Tonnen CO2 (die Autos auf dieser Strecke ausgestoßen hätten) vermieden.

Vielleicht sind Systeme wie Vélo'V deshalb durchaus eine Lösung für weniger Autoverkehr in den Innenstädten? In Lyon sind so außerdem 30 Arbeitsplätze entstanden - unter Anderem Mitarbeiter, die mit einem Werkzeuganhänger (natürlich per Fahrrad) von Station zu Station unterwegs sind. Paris hat seit 2007 ebenfalls ein riesiges Mietfahrradnetz mit JCDecaux aufgebaut (20.000 Fahrräder an 1.451 Automaten), in weiteren Städten Frankreichs existieren ähnliche Pläne oder Systeme im Aufbau. Brüssel, Wien, Gijón, Melbourne - die Velos aus Lyon sind kein Unikat mehr.

>>Vélo'V
>>Vélo'V Newsletter Oktober
>>Ein Artikel der Washington Post
>>JCDecaux

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Dienstag, Juni 26, 2007

Exkursionen: +20,705 kg CO2

In den letzten Wochen – das Semester neigt sich dem Ende zu – haben einige ziemlich spannende Exkursionen stattgefunden. Und da die faulen Studenten heutzutage einfach nicht genug trainiert sind, um solche Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen, sind zwangsläufig auch CO2-Emissionen angefallen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das Rheinland ist zwar flach, trotzdem war es sehr angenehm, im gemütlichen Bus zu sitzen. Auch wenn die Jungs von der Fahrbereitschaft einen ordentlichen Bleifuß haben. Hier nun also die Abrechnung der „Fahrtkosten“.

Die erste Exkursion führte zum Braunkohlekraftwerk in Niederaußem und zur Baustelle der beiden neuen BoA-Blöcke (Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik) in Neurath. Besonders spannend: Der interessante Block in Niederaußem war zu der Zeit in Revision, so war zum Beispiel ein sonst natürlich verwehrter Blick in den Kessel möglich. Die BoA-Blöcke demonstrieren, welche Wirkungsgrade an Braunkohlekraftwerken heute Stand der Technik sind: 43% und knapp darüber. Das ist wirklich signifikant mehr als bei älteren Kraftwerken, deren Wirkungsgrad bei teilweise um die 30% liegt. Trotzdem liegen die CO2-Emissionen aus Braunkohleverstromung pro Kilowattstunde wesentlich höher als bei anderen Energieträgern. Klar, ein hoher Kohlenstoff-Anteil bedeutet natürlich viel CO2 bei der Verbrennung. Wirkungsgradsteigerung ist deshalb nicht die einzige Strategie, um Kohlestrom klimaverträglich zu machen: CO2-Abscheidung und Speicherung lautet eine der Zauberformeln. Bisher ist das aber eher Zukunftsmusik und Beschäftigung für viele Wissenschaftler (und Hiwis). Deshalb warnte die EU unlängst vor dem Bau neuer Kraftwerke in Deutschland. „Wer heute noch neue Kohlekraftwerke baut, muss sich im Klaren sein, dass eine solche Politik uns alle langfristig teuer zu stehen kommt“, sagte Umweltkommissar Stavros Dimas (Link zum Artikel).

Die 127,57 Kilometer (falk.de) lange Strecke von Aachen nach Niederaußem und zur Baustelle in Neurath haben wir mit einem vollbesetzten Kleinbus der Fahrbereitschaft zurückgelegt. Nach Herstellerangaben emittiert der eingesetzte VW LT 35 pro Kilometer 289 g CO2. Geteilt durch acht Passagiere ergibt das:

127,57 km * 0,289 kg CO2 / 8 P = 4,608 kg CO2

Die zweite Exkursion führte wieder nach Niederaußem, diesmal war der BoA-Block allerdings in Betrieb. Sehr beeindruckend - eine größere Maschine als ein Kraftwerk gibt es fast nicht. Allein der Kessel misst 23 Meter x 23 Meter x 160 Meter. Vorher stand noch ein Rundgang über die riesige Kraftwerksbaustelle in Neurath auf dem Programm. Das hat ein bisschen was von einem gigantischen Sandkasten: Baumaschinen, ein neues Kraftwerk und jede Menge Schlamm. Quasi ein Spielplatz für erwachsene Jungs.

Die Fahrstrecke von 145,96 Kilometern haben wir dieses Mal mit einem Reisebus zurückgelegt – die Gruppe war erheblich größer. Der internationale Bustouristik Verband RDA gibt die durchschnittlichen Emissionen von Reisebussen mit 23,5 Gramm CO2 je Personenkilometer (Stand 2003) an. Das bedeutet:

145,96 km * 0,0235 kg CO2/km = 3,430 kg CO2

Außerdem stand in der Exkursionswoche noch ein Besuch im Braunkohle-Tagebau Garzweiler an. Schon allein die Fahrt runter in dieses riesige Loch ist beeindruckend, bis zu fast 200 Meter tief haben sich die Bagger gefressen. Der Betreiber RWE muss einen gigantischen Aufwand für Rekultivierung der Landschaft und die Umsiedlung der Anwohner betreiben. Das Grundwasser muss aus dem Tagebau und wieder in die umliegenden Feuchtgebiete gepumpt werden. Da drängt sich die Frage auf, wie all das überhaupt wirtschaftlich rentabel sein kann. Quadratkilometergroße Löcher zu buddeln, mit riesigen Maschinen die Braunkohle abbauen und diese schließlich klimaschädlich zu verstromen, das muss dem gesunden Menschenverstand absurd vorkommen. Dabei gibt es zugenüge Alternativen zu Kohlekraftwerken: Neben der Stromgewinnung aus neuen, inhärent sicheren Hochtemperaturreaktoren (HTR) bieten sich zum Beispiel im Mittelmeerraum solarthermische Kraftwerke an. Letztendlich hängt alles – genau wie bei allen anderen regenerativen Formen der Stromerzeugung – an der Frage, wie viel wir in Zukunft für unsere Energie ausgeben wollen. Momentan kostet die Kilowattstunde Ökostrom 19 Cent (den Stromanbieter wechseln ist einfach). Das ist mehr als konventionell erzeugter Strom, trotzdem halte ich den Preis für fair. Denn auch die größten Unternehmen werden durch den Konsum ihrer Kunden gelenkt. Ein Umdenken bei den Energiekonzernen wird es wohl erst geben, wenn auf dem Markt der Bedarf an klimafreundlichem Strom vorhanden ist. Setzten wir vermehrt auf Kohlestrom, einfach weil es billiger ist, werden die Emissionen der Kraftwerke (momentan etwa 40% der gesamtdeutschen Emissionen) steigen. Ein Kraftwerk, das heute ans Netz geht, ist auf eine Laufzeit von mindestens 40 Jahren ausgelegt.

Für die Fahrt nach Garzweiler (157,12 Kilometer) haben wir uns auch wieder eines Reisebusses bedient:

157,12 km * 0,0235 kg CO2/km = 3,692 kg CO2

Eine weitere spannende Exkursion hat uns nach Köln zur Deutz AG geführt. Auch diese 159 Kilometer haben wir mit einem Reisebus zurückgelegt, daher berechnen sich die Emissionen wie folgt:

159 km * 0,0235 kg CO2/km = 3,737 kg CO2

Die letzte Exkursion ging in die Niederlande. Nach dem Besuch einer Heizkörperfertigung (hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, wie skurril es aussieht, wenn zu „Money for Nothing“ Heizkörper an Haken durch eine Fertigungshalle schweben?) und ihrer wirklich unglaublich netten Mitarbeiter hat uns die Fahrbereitschaft nach Buggenum chauffiert. Dort steht eines von weltweit nur fünf IGCC-Kraftwerken (Integrated Gasification Combined Cycle – zu Deutsch: Gas- und Dampf-Prozess mit vorgeschalteter Kohlevergasung). Der Vorteil an diesem Kraftwerkstyp ist, dass der Aufwand der CO2-Abtrennung im Vergleich zu anderen Kraftwerken erheblich vermindert wird. Deshalb ist IGCC neben Oxyfuel (Verbrennung im O2/CO2-Athmosphäre) eine mögliche Strategie zur bereits oben erwähnten CO2-Abscheidung und Speicherung – und damit auf jeden Fall ziemlich spannend. Vom Prozess selber war leider nicht besonders viel zu sehen, wir durften nur mit ehrfürchtigem Sicherheitsabstand einmal um den Kohlevergaser pilgern.

Die Fahrstrecke belief sich an diesem Tag auf 145 Kilometer – wie bereits erwähnt, sportlich zurückgelegt mit der Fahrbereitschaft:

145 km * 0,289 kg CO2 / 8 P = 5,238 kg CO2

Um nun Bilanz zu ziehen, die vielen Exkursionen schlagen mit insgesamt 20,705 Kilogramm CO2 auf das Konto, dessen Stand sich nun auf +1153,650 Kilogramm CO2 beläuft. Bewertend lässt sich zusammenfassen, dass der Reisebus mit 23,5 Gramm je Personenkilometer nur von Yukon schlagbar niedrige spezifische Emissionswerte hat. Die Firma Scania hat im Mai übrigens ihren Ethanol-Hybridbus vorgestellt. Im Betrieb mit Bio-Sprit gelangt kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre – lediglich die Menge, welche die verarbeiteten Pflanzen vorher aufgenommen haben wird emittiert. Steigt der Busfahrer in die Eisen, geht die Energie nicht vollständig als Abwärme in den Bremsen verloren, sondern wird mit einem Generator zurückgewonnen und in Batterien gespeichert. Den Strom nutzt ein Elektromotor, der bei der Beschleunigung dem konventionellen Antrieb zugeschaltet wird. Kommentar auf der Firmenhomepage: „Scania sieht keinen Grund dafür, auf andere neue Kraftstoffe und Technologien zu warten, die vielleicht in zehn Jahren verfügbar sind.“

Vielen Dank an dieser Stelle an Kristin für die Fotos – einen Fluch ans StudiVZ, dort musste ich tief im HTML-Quellcode wühlen, um an die Bilder zu kommen.

>> Scania Ethanol-Hybridbus.

>>Illustrationsfotos: Kristin (3), RWE (2).
>>EU warnt Deutschland vor Bau neuer Kohlekraftwerke (ZDF).
>>Homepage von RWE Power.
>>Bus und Umwelt (RDA).
>>Umweltfakten über den Bus (RDA).
>> Die VW-Heize der Fahrbereitschaft.
>>Heizkörperfertigung bei Stelrad.

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Sonntag, Mai 20, 2007

Hausnummernliste

Um die spezifischen Emissionen von verschiedenen Verkehrsmittel einmal zu vergleichen, habe ich hier eine kurze kommentarlose „Hausnummernliste“ aufgestellt. Alle Werte sind bereits im Blog verwendet und recherchiert worden.

VW Passat: 149 g CO2 je km.
Opel Corsa: 127 g CO2 je km.
DB Nahverkehr/S-Bahn: 98 g CO2 je km.
Bus in Aachen: 71 g CO2 je km.
Stadtbahn Stuttgart: 67 g CO2 je km.
Bus in Stuttgart: 60 g CO2 je km.
DB Fernverkehr: 52 g CO2 je km.
Passat mit vier Personen: 37 g CO2 je km.
Yukon: 0 g CO2/km.

Es zeigt sich, dass ein vollbesetzter VW Passat (Diesel, 81kW) sogar den klimafreundlichen Fernverkehr der Bahn schlagen kann. Sitzen aber schon nur drei Passagiere in dem Wagen, steht es ungefähr gleichauf. In der Stadt (jedenfalls hier in Aachen) ist das Fahrrad die schnellste , unkomplizierteste und auch emissionsärmste Variante der Fortbewegung. Keine Schadstoffe, keine Parkplatzsuche und keine Lärmbelästigung für die verkehrsgeplagten Anwohner. Eine verhältnismäßig gute Wahl sind auch die Linienbusse, die nur knapp halb so viel CO2 emittieren wie ein Opel Corsa. Der Unterschied zwischen Aachen und Stuttgart in den spezifischen Emissionswerten erklärt sich durch unterschiedliche Auslastungsgrade, die in einer Großstadt natürlich besser sind.

>>Illustrationsfoto von Tobias Wolter.

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Mittwoch, Mai 02, 2007

London calling (II): +17,291 kg CO2

Nachdem ich im ersten Teil berechnet hatte, wie stark die Anreise nach London mein CO2-Konto belastet, möchte ich nun die in London angefallenen Emissionen abrechnen. Ein Student auf Kurzurlaub möchte natürlich auch was von der Stadt sehen und ist damit ein fleißiger Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Jede Fahrt mit Bus, Bahn oder Underground habe ich in meinem kleinen, schwarzen Notizbuch vermerkt und in der Tabelle unten aufgeschlüsselt.

Unser „Hostel“ mit sportlichen Achtbettzimmern lag im Süden von London, im ziemlich süßen Stadtteil Greenwich (bekanntermaßen steht hier das Roayal Observatory mit dem Nullmeridian, siehe Bild). Natürlich sprechen die Engländer das nicht so aus, wie es auf dem Papier steht. Wäre ja ein bisschen zu trivial für so einen bedeutsamen Ort. Nein, Greenwich heißt so in etwa „Gränitsch“. Nun ja, das muss man wissen. Auf jeden Fall war unsere Unterkunft klasse und geschickterweise auch noch gleich ein Pub. Ein bewährtes und geniales Konzept für Studentenreisen.

In folgender Tabelle über die Emissionen im Verkehr steckt sehr viel Recherche, deshalb hier eine kurze Übersicht der Referenzen.

Bei den spezifischen Emissionen der Verkehrsmittel beziehe ich mich auf:
1.) und 6.) „Environment Report 2006“ des TfL und „Greenhouse Gas Emissions Report“ der National Express Group.
2.) „Environment Report 2006“ des Lononder Underground.
3.) bis 5.) „Greenhouse Gas Emissions Report“ der National Express Group (siehe Anmerkung am Ende dieses Eintrags)

Die Distanzen zwischen den Haltestellen des Londoner Underground finden sich (wenn auch in etwas kryptischer Form) auf „Clive's Underground Line Guides“. Wie viele Kilometer zwischen Bushaltestellen liegen, habe ich wie gewohnt mit falk.de ermittelt. Bei den Zugstrecken im Nahverkehr war mir das Internetportal der Tschechischen Bahn behilflich.

Bei den Englischen Bahnunternehmen herrscht beim Stichwort CO2-Emissionen eigentlich nur Chaos. Gerne werden die Emissionen nicht in „Kilogramm je Personenkilometer“, sondern in „Kilogramm pro Reise“ angegeben. Eine Zahl, die komplett ohne Aussage ist, schließlich kann die Reiselänge ja irgendwo zwischen Null und mehreren hundert Kilometer liegen. Angaben zur Länge dieser so genannten „Passenger Journey“ finden sich nirgends. Während die „Southeastern Railway“ in ihrem „Environmental & Social Report 2006“ von CO2 statt CO2-Emissionen spricht, ist die „First Group“ im Bericht über die „Corporate Social Responsibility“ der Ansicht, pro Reise lediglich 0,554 Milligramm CO2 zu emittieren. Wirklich grün, die englischen Bahnen, unsere Deutsche Bahn schafft mit modernsten Fahrzeugen gerade einmal einen Wert, der so in etwa um das hunderttauschendfache höher liegt. Geradezu unverantwortlich ist es hingegen, mit einem Bus der „First Group“ zu fahren: Schenkt man dem Bericht Glauben, werden pro „Passenger Journey“ stolze 690 Kilogramm CO2 emittiert. Drei-Tonnen-Ziel adieu! Ich denke aber, man muss kein Ingenieur sein, um zu erkennen, wie sinnbefreit die Angaben sind. Das verdeutlicht aber leider, wie ernsthaft sich die englischen Anbieter wirklich mit der Frage der CO2-Emissionen auseinandersetzen.

Um mit einem halbwegs brauchbaren Wert rechnen zu können, habe ich die Angaben der „National Express“ angesetzt, die für ihre Züge eine spezifische Emission von 54 Gramm CO2 je Personenkilometer angibt. Auch das erscheint mir allerdings wenig, ist es doch nur etwas mehr als die Hälfte deutscher Nahverkehrszüge.

Stark zu Buche geschlagen hat in der Abrechnung die fast 80 Kilometer lange Fahrt nach Brighton. Dort haben wir eine liebe Freundin von mir getroffen und den Strand genossen. Ja, tatsächlich, denn wir hatten nämlich Sonne. Alles in allem schlägt London noch einmal mit 17,291 Kilogramm CO2 zu Buche. Das finde ich für fast 300 Kilometer nicht besonders viel, was in erster Linie daran liegt, dass die U-Bahn mit 56,3 Gramm CO2 pro Personenkilometer ein sehr klimafreundliches Verkehrsmittel ist. Leider vernachlässige ich die Treibhausgas- Emissionen, die in unserer Unterkunft entstanden sind. Auch dort wurde natürlich geheizt, wir haben warmes Wasser verbraucht und im Pub gefrühstückt (an dieser Stelle noch ein gut gemeinter Rat: Finger weg von englischem Bier zum Frühstück!). Allerdings ist klar, dass eine derart aufwändige Recherche in keinem Verhältnis zur geringen Menge der Emissionen stünde. Neuer Kontostand ist damit +1059,467 Kilogramm CO2.

>>Das Hostel, das auch ein Pub ist.
>>"Environment Report 2006" des TfL.
>>"Greenhouse Gas Emissions Report" der National Express Group.
>>"Environment Report 2006" des Lononder Underground.
>>Bericht über "Corporate Social Responsibility" der First Group.
>>"Environmental & Social Report 2006" der Southeastern Railway.
>>Clive's Underground Line Guides.
>>Internetportal der Tschechischen Bahn.

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Sonntag, April 22, 2007

London calling (I): +344,648 kg CO2

Viel Zeit war da nicht gerade, zwischen der letzten Prüfung und dem Vorlesungsbeginn. Gerade noch genug für einen klassischen Kurzurlaub mit einem Kommilitonen: Fünf Tage London. Billigflug von Düsseldorf, Übernachtung in einem kleinen „Hostel“ und Karten für das Konzert der „Barenaked Ladies“. Damit ist der Kurztrip nach England perfekt organisiert.

Los ging es im unstudentischen Morgengrauen mit der Deutschen Bahn nach Düsseldorf. Der Regionalexpress fährt von Aachen aus über Köln direkt zum Flughafen und legt laut Trassenpreisauskunft so eine Strecke von 113,718 km zurück. Mit dem spezifischen Emissionsfaktor der Bahn im Nahverkehr (98 Gramm je Personenkilometer) ergibt sich damit für die Anreise zum Flughafen:

113,718 km * 0,098 kg CO2/km = 11,144 kg CO2

Den Flug auf die Insel haben wir anbord einer Boing 737-700 der Fluglinie "Air Berlin" genossen. Zur Berechnung dieser Emissionen gibt es eine wunderbare Seite, die seit Beginn der Klimaschutzdiskussion auch hin und wieder durch die Medien geistert: www.atmosfair.de. Die dort eingegebene Flugroute ergibt zusammen mit Informationen über Flugzeugtyp und Fluggesellschaft eine Berechnung der emittierten Treibhausgase. Diese werden als CO2-äquivalent ausgegeben und mit einem Aufschlag für Klimawirksamkeit in großen Reiseflughöhen versehen. Wortgewaltig nennt sich das dann „Radiative Forcing Index“. Die Emissionswerte für den Flug von Düsseldorf nach London-Stansted und wieder zurück werden so mit

320 kg CO2 pro Person

errechnet. Direkt auf der Seite gibt es die Möglichkeit, sich von diesen Emissionen „freizukaufen“. Meine 320 Kilogramm CO2 kosten zum Beispiel neun Euro, das Geld kommt Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländer zugute. So wird die Menge an Treibhausgasen, die mein Flug verursacht hat, wieder eingespart. In meinen Augen ist das ein Muss, wenn man sich schon einmal den Komfort des überflüssigen Fliegens leistet.

Einmal auf Englischen Boden gelandet ergibt sich ein weiteres Problem, das jeder Billigflieger-Passagier kennt: London-Stansted ist bei weitem nicht London. Zwischen dem Flughafen und der Victoria Coach Station in der Innenstadt liegen satte 59 Kilometer, die wir mit einem Reisebus hinter uns gebracht haben. Auf der Hinfahrt war das ganz angenehm, auf der Rückfahrt allerdings der pure Stress. Nach einer halben Stunde Schlangestehen verkündete uns der – für einen Engländer erschreckend unhöfliche - Mensch am Schalter, dass die EC-Karten vom Terminal nicht akzeptiert würden. Und nein, mein Konto war nicht jenseits des Disporahmens. Jedenfalls nicht viel. Mit ordentlicher Verspätung und unserem sowieso knappen Zeitplan steckte der Bus dann im Londoner Verkehr fest. Der Fahrer hatte wohl eine Vorgeschichte als U-Bahnführer, jedenfalls hatte er nicht die Absicht, für irgendwen oder irgendetwas zu bremsen. Nun, wie auch immer, die Betreiberfirma „National Express“ hat im Internet die spezifischen Emissionen ihrer „Coaches“ offen gelegt: Pro Passagier und Kilometer fallen 32 Gramm CO2 an. Für die beiden Fahrten vom und zum Flughafen ergibt das:

59km * 2 * 0,032 kg CO2 = 3,776 kg CO2

Schließlich haben wir auf der Rückfahrt vom Flughafen Düsseldorf nach Aachen noch einmal die Deutsche Bahn bemüht, diesmal allerdings auf der Strecke Düsseldorf – Mönchengladbach – Aachen, die nur 98,263 Kilometer lang ist. Damit ergeben sich:

99,263 km * 0,098 kg CO2/km = 9,728 kg CO2

Alles in Allem belaufen sich nur die „Reisekosten“ auf satte 344,648 kg CO2. Und nun kommt der Knaller, denn natürlich hätte es auch Alternativen zum Fliegen gegeben: Am Aachener Hauptbahnhof hält (wenn auch nur kurz) der „ICE International“ beziehungsweise der „Thalys“ nach Brüssel. Dort bietet es sich an, in den Eurostar umzusteigen und durch den Eurotunnel bequem in einem Rutsch bis ins Stadtzentrum von London durchzufahren. Die Fahrzeit beträgt lächerliche 5 Stunden und 7 Minuten – im Flugzeug haben wir nur mit Handgepäck für dieselbe Strecke über 6 Stunden gebraucht. Der Unsinn innereuropäischer Kurzstreckenflüge wurde mir aber erst bei einem Blick auf die Emissionen der Bahn klar.

Die Schnellbahnstrecke von Aachen nach Brüssel ist genau 142 Kilometer lang. Im Fernverkehr der Bahn fallen pro Personenkilometer 52 Gramm CO2 an. Das hätte also für Hin- und Rückfahrt:

142 km * 2 * 0,052 kg CO2/km = 14,768 kg CO2

ergeben. Gepfeffert mit dem Slogan „Greener than Flying“ gibt die Betreiberfirma des Eurostar die pro Person auf der Strecke Brüssel-London anfallenden Emissionen für Hin- und Rückfahrt mit

18,3 Kilogramm (das entspricht 23 Gramm CO2 pro Personenkilometer)

an. Für dieselbe Strecke Aachen-London belaufen sich die Emissionen damit gerade einmal auf - im Vergleich zum Flugzeug winzigen - 33,068 kg CO2 pro Person.

Mit Bahncard, einem Jugendrabatt (unter 25 Jahren) gibt es Hin- und Rückfahrt bei frühem Buchen ab etwa 125 Euro, das entspricht – Hand aufs Herz - etwa dem Preis für die Flüge. Erspart bleibt der Stress, rechtzeitig am Flughafen zu sein. Überflüssig auch das Umpacken von Zahnpasta in beknackte Deo-bombensichere Plastikbeutel und es gibt auch keinen Beamten, der höflich aber bestimmt darum bittet, nun doch die Schuhe auszuziehen. Neben einigen Menschen, die schon eine längere Reise hinter sich haben, ist das nicht witzig.

Fazit: In diesem Fall wäre die Fahrt im Zug nicht nur schneller und entspannter, sondern vor allem auch um den Faktor 10 (!) ärmer an CO2-Emissionen gewesen. Ein für mich durchaus überraschendes Ergebnis und ärgerlich, denn nur die Anreise hebt den Wert meines CO2-Kontos nun auf +1042,176 kg CO2. Damit habe ich nun mehr als ein Drittel meiner gesetzten Obergrenze erreicht.

>>Emissionsrechner von Atmosfair.
>>Umweltbericht der Bahn.
>>Trassenpreisauskunft DB Netz.
>>Emissionenvon National Express.
>>Emissionen des Eurostar.
>>Auskunft über die Streckenlänge nach Brüssel.
>>Seite der Rockband "Barenaked Ladies".
>>Lizenz und Quelle des Illustrationsfotos.

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Donnerstag, März 22, 2007

Studentisches Lernexil II: + 105,099 kg CO2

Für den Endspurt im Wintersemester war noch einmal ein Lernexil angesagt. Das große Thema diesmal: Navier-Stokes oder die wundersame Welt der Strömungslehre. Und: Ist eine Mitfahrgelegenheit CO2-günstiger als die Bahn? Mit einem Freund und Kommilitonen aus Aachen habe ich mich eine Woche lang nach Schönwald im Schwarzwald zurückgezogen, um zu lernen und diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Hier die Abrechnung, die – zugegebenerweise – einige Seiten meines Notizbuchs gefressen hat.

Hinfahrt:
Von Aachen aus ging es um 4 Uhr Nachts los Richtung Süddeutschland. Eine Mitfahrgelegenheit, zu fünft im Wagen und mit Tempo 200 auf der Autobahn unterwegs: Komfort ist definitiv etwas Anderes. Der Fahrer war geschäftlich unterwegs und nicht besonders gesprächig. Wahrscheinlich hätte er auch noch lieber im Bett gelegen. Der erste Streckenabschnitt von Aachen nach Filderstadt über eine nächtliche A61 und durch den morgendlichen Berufsverkehr in Stuttgart war laut Falk.de genau 448,66 Kilometer lang. Mir ist es wie viel, viel, sehr viel länger vorgekommen. Der Wagen, ein BMW hatte bei diesen hohen Geschwindigkeiten einen durchschnittlichen Verbrauch von 14 Litern pro 100 Kilometer – Autogas allerdings. Der Emissionsfaktor von Autogas liegt zwischen 1,8 und 2,0 Kilogramm CO2 je Liter und damit etwas niedriger als der von Benzin.

14 Liter/100 Kilometer * 448,66 Kilometer * 1,9 kg CO2/Liter / 5 Personen = 23,869 kg CO2

Von Filderstadt ging es mit der S-Bahn zum Stuttgarter Hauptbahnhof (laut Trassenpreisauskunft der Bahn 22,207 Kilometer) und weiter im Nahverkehr der Bahn nach Göppingen (41,124 Kilometer). Mit dem Emissionsfaktor von 98 Gramm je Personenbahnkilometer im Nahverkehr der Bahn ergibt sich:

(22,207 Kilometer + 41,124 Kilometer) * 98 Gramm CO2 / km = 6,206 kg CO2

Ab hier musste es mit dem Wagen von meinem Bruder weitergehen, einem Opel Corsa (Baujahr 2004, 44 kW-Maschine, spezifische Emissionen: 0,127 kg CO2/km). Ihm ist es sehr schwer gefallen, sich von seinem heiß geliebten Gefährt zu trennen (für dieses große Opfer haben wir ihm neue Scheibenwischer spendiert). Die gefahrene Strecke teilt sich wie folgt auf:

6,42 Kilometer mit fünf Personen: 6,42 km * 0,127 kg CO2/km / 5 Personen = 0,163 kg CO2
8,58 Kilometer mit drei Personen: 8,58 km * 0,127 kg CO2/km / 3 Personen = 0,363 kg CO2
390,10 Kilometer nach Schönwald und wieder zurück mit zwei Personen: 390,10 * 0,127 kg CO2/km / 2 Personen = 24,771 kg CO2

Rückfahrt:
Um mit einer weiteren Mitfahrgelegenheit zurück nach Nordrhein-Westfalen zu kommen, mussten wir erst einmal die Bahn nach Tübingen nehmen – dort hatten wir uns verabredet. Die Strecke zum Bahnhof in Göppingen (6,15 Kilometer) waren wir zu viert im Wagen meiner Schwester (Opel Astra, 55 KW-Maschine, spezifische Emissionen: 0,132 kg CO2/km) unterwegs:

6,15 km * 0,132 kg CO2/km / 4 Personen = 0,203 kg CO2

Weiter im Nahverkehr der Bahn von Göppingen nach Tübingen (68,2 Kilometer):

68,2 km * 98 Gramm CO2 / km = 6,684 kg CO2

Und schließlich natürlich mit der Mitfahrgelegenheit von Tübingen nach Köln zum Hauptbahnhof, laut Falk.de genau 401,72 Kilometer. Der Wagen war ein 75 PS starker VW Golf Cabriolet. Dessen spezifischen Emissionen liegen bei nicht ganz wenigen 190 g CO2 je Kilometer, allerdings war er mit drei Personen und dem Gepäck auch gut ausgelastet:

401,72 km * 0,190 kg CO2/km / 3 Personen = 25,442 kg CO2

Unserer Fahrer, ein Jura-Student aus Köln, fährt eigentlich lieber mit dem Zug. Warum er sich trotzdem über die volle Autobahn quält, habe ich nicht mehr mitbekommen. Zu einschläfernd waren die monotonen Windgeräusche durch das Cabrio-Dach. Um schließlich vom Kölner Hauptbahnhof zurück nach Aachen zu kommen, mussten wir wieder auf den Nahverkehr der Deutschen Bahn zurückgreifen:

69,959 km * 0,098 kg CO2/km = 6,856 kg CO2

Summa summarum belaufen sich die transportbedingten Emissionen auf satte 94,557 Kilogramm CO2 pro Person. Natürlich haben wir in Schönwald auch Strom verbraucht, und dieses Mal habe auch nicht vergessen, einen Blick auf den Stromzähler zu werfen. Unser Verbrauch in einer Woche lag bei 51,3 Kilowattstunden. Der Großteil davon dürfte auf die Kaffeemaschine im Dauerbetrieb entfallen. Der Stromanbieter ist die EGT Triberg, die ihren Strom mit 411 Gramm CO2 je Kilowattstunde kennzeichnet und damit (wenn auch nicht wesentlich) unter dem bundesdeutschen Schnitt liegt.

51,3 kWh * 0,411 kg CO2 / kWh / 2 Personen = 10,542 kg CO2

Die Gesamtemissionen des Lernexils belaufen sich damit auf 105,099 Kilogramm CO2. Neuer Kontostand nach dem Lernexil im Schwarzwald ist damit +666,289 Kilogramm CO2.

Nur so am Rande: Ich habe auch einen Blick auf den Stromzähler des Aufzugs geworfen. Obwohl wir lieber die Treppe benutzt haben, hat dieser in nur einer Woche ganze 27,3 kWh Strom verbraucht. Und das, obwohl fast alle Ferienwohnungen im Haus leer standen und die Kiste (im modischen grasgrün gehalten) auch beängstigend klein ist. Mit dem Strom der ETG Triberg auf ein Jahr hochgerechnet sind immerhin 583 Kilogramm CO2!

Wie schneiden nun aber unsere Mitfahrgelegenheiten klimatechnisch ab? Um mit der Bahn von Aachen nach Schönwald zu kommen, hätten wir laut Trassenpreisauskunft der Bahn 985,904 Kilometer auf der Schiene zurückgelegt. Größtenteils im Fernverkehr (0,052 kg CO2 je Bahnkilometer) und abzüglich einer kurzen Busfahrt wären das:

985,904 km * 0,052 kg CO2 / km = 51,267 kg CO2

Das ist immerhin nur knapp die Hälfte der mit den Mitfahrgelegenheiten emittierten 94,557 Kilogramm CO2. In erster Linie liegt das in unserem Fall wohl daran, dass wir erhebliche Umwege (nach Tübingen und Göppingen) in Kauf nehmen mussten. Doch der BMW auf der Hinfahrt kommt – obwohl mit fünf Personen vollbesetzt und mit umweltfreundlicherem Autogas betrieben – noch auf satte 53,2 Gramm CO2 je Person und Kilometer. Das entspricht knapp den Emissionen der Bahn. Die Mitfahrgelegenheit der Rückfahrt liegt mit 63 Gramm je Person und Kilometer sogar noch darüber. In keine der beiden Mitfahrgelegenheiten hätte noch eine weitere Person gepasst.

Egal wie man es dreht und wendet: Um an die Emissionswerte der Bahn heranzukommen, bedarf es schon einem sehr kleinen, sehr vollbesetzten Wagen und einer sehr ruhigen Fahrweise. Der Opel Corsa von meinem Bruder müsste mit mindestens drei Personen besetzt sein, um unter die 52 Gramm je Personenkilometer im Fernverkehr der Bahn zu kommen. Müssen dann noch Umwege gefahren werden, ist die Schiene ganz klar klimafreundlicher als die Straße. Nun ja, auch auf die Gefahr hin, mich nun sehr unbeliebt zu machen: Ich oute mich hiermit als überzeugter Bahnfahrer!

>>Informationen zu Kraftstoffen.
>>Technische Daten des Corsa.
>>Technische Daten des Astra.
>>Technische Daten des Golf.

>>Stromkennzeichnung der ETG.
>>Umweltbericht der Bahn.
>>Trassenpreisauskunft DB Netz.
>>Mitfahrzentrale.
>>Homepage der Gemeinde Schönwald.

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Sonntag, März 04, 2007

Was verbraucht eigentlich… (III)

… ein WLAN-Router? Es ist ein Segen der Technik. Internet ohne nervige Netzwerkkabel. Guten Gewissens kann ich behaupten, dass heute in fast jedem breitbandigen Haushalt einer dieser kleinen, funkenden Kästen steht. Dank WLAN-Router lässt sich der Internetzugang mit den Nachbarn teilen. Surfen überall, ob im Café oder auf der Toilette ist (rein technisch) kein Problem. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Energieverbrauch und den damit verbundenen CO2-Emissionen aus?

Kein Problem, zwischen Steckdosenleiste und dem schwarzen Funk-Kasten auf der Fensterbank ist das Messgerät schnell zwischengeschaltet. Als erstes interessieren mal die Verluste im Netzteil. Dazu nehme ich vom Transformator keine Leistung ab – sprich: Das Stromkabel zum eigentlichen Router ist raus gezogen. Ergebnis: Der Trafo alleine verbraucht 2,8 Watt – Leistung die fast ausschließlich als Wärmeverlust an die Umgebung abgegeben wird.

Unwesentlich höher ist der Verbrauch von Netzteil und Router zusammen. Das Messgerät zeigt eine umgesetzte Leistung von 6,5 Watt an. Eigentlich lächerlich, die paar Watt sind wirklich nicht besonders viel. Oder?

Nun, hier kommt das eigentliche Problem: Die Zeit. In der Regel – und diesbezüglich bin ich sicherlich keine Ausnahmeerscheinung – blinken die kleinen, grünen LEDs rund um die Uhr. Das heißt, der Router ist permanent im Betrieb. Einmal überschlagen mit dem Emissionsfaktor des Bundesdeutschen Strommix ergibt das:

6,5/1000 Kilowatt * 24 Stunden * 365 Tage * 0,507 kg CO2/KWh = 28,87 kg CO2 / Jahr

Auf ein Jahr hochgerechnet verursacht der WLAN-Router also fast 30 Kilogramm des Treibhausgases CO2. Das entspricht rund 1% des nachhaltigen CO2-Jahresbudgets von 3 Tonnen! Und das ist, wie ich finde, schon eine ganz schöne Menge.

Natürlich möchte ich nun deswegen nicht auf mein lieb gewonnenes Funknetzwerk verzichten. Aber mit der Erkenntnis, dass der WLAN-Router permanent die gleiche Leistung wie eine halbe Energiesparlampe umsetzt, finde ich es sinnvoll, ihn bei einer längerer Abwesenheit ausstecken. Schließlich würde ich ja auch keine Energiesparlampe den halben Urlaub durch brennen lassen.

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Donnerstag, März 01, 2007

Was verbraucht eigentlich… (II)

… ein Kühlschrank? Mitte Dezember hatte ich hier im Blog eine Serie begonnen: Mit einem Energiemessgerät war ich den Emissionen von Haushaltsgeräten auf der Spur. Im ersten Teil habe mich intensiv mit Deckenflutern beschäftigt. Heute werfe ich einmal einen Blick auf und in meinen (chronisch leeren) Studentenkühlschrank.

Dazu habe ich meinen Kühlschrank aus der Küche ausgebaut, den Leistungsmesser zwischen Steckdose und Stecker geschaltet und über mehrere Tage eine intregative Messung durchgeführt. Da der Kühlschrank nicht permanent aktiv kühlt, unterscheide ich zwischen der gesamten Messdauer und der Zeit, in welcher der Kompressor läuft.

Messreihe 1
Parameter:
Kühlstufe: 1 von 3
Befüllung: 1/5
Kein Tiefkühlgut
Dauer der Messung: 25 Stunden 15 Minuten
Davon aktive Kühlung: 6 Stunden 46 Minuten Ergebnisse
Ergebnisse:
Leistung: 13,9 Watt bis 492,4 Watt
Energieverbrauch über Messdauer: 0,669 kWh
Durchschnittl. Leistung während aktiver Kühlung: 98,87 W
Durchschnittl. Leistung über Messdauer: 26,5 W
Jahresemissionen bei bundesdeutschem Mix:
0,0265kW * 24 * 365 Stunden * 0,507 kg CO2/KWh = 117,695 kg CO2

Messreihe 2
Parameter:
Kühlstufe: 1,5 von 3
Befüllung: 1/3
Kein Tiefkühlgut
Dauer der Messung: 67 Stunden 30 Minuten
Davon aktive Kühlung: 21 Stunden 16 Minuten
Ergebnisse:
Leistung: 9,3 Watt bis 513 Watt
Energieverbrauch über Messdauer: 2,079 kWh
Durchschnittl. Leistung während aktiver Kühlung: 97,76 W
Durchschnittl. Leistung über Messdauer: 30,8 W
Jahresemissionen bei bundesdeutschem Mix:
0,0308 kW * 24 * 365 Stunden * 0,507 kg CO2/KWh = 136,793 kg CO2

Messreihe 3
Parameter:
Kühlstufe: 3 von 3
Befüllung: 1/4
Kein Tiefkühlgut.
Dauer der Messung: 41 Stunden
Davon aktive Kühlung: 21 Stunden 42 Minuten
Ergebnisse:
Leistung: 9,6 Watt bis 629 Watt
Energieverbrauch über Messdauer: 1,900 kWh
Durchschnittl. Leistung während aktiver Kühlung: 87,56 W
Durchschnittl. Leistung über Messdauer: 46,34 W
Jahresemissionen bei bundesdeutschem Mix:
0,04634 kW * 24 * 365 Stunden * 0,507 kg CO2/KWh = 205,811 kg CO2

Interpretation

Die Messung zeigt, dass die Leistungsaufnahme und damit natürlich auch die Emissionen stark von der Kühlstufe abhängen. Zwischen der schwächsten und der stärksten Kühlung liegen fast 100 Kilogramm CO2 pro Jahr! Eine ganze Menge, wie ich finde. Und: Selbst auf der niedrigsten Stufe ist der Stromverbrauch eines Kühlschrankes noch höher als der von zwei Energiesparlampen. Es lohnt sich also:
  • Während längerer Abwesenheit (Urlaub) den Kühlschrank auszuschalten.
  • Eventuell die Kühlleistung zu reduzieren – so es das Kühlgut zulässt. Für kühles Bier und Kaffeemilch reicht Stufe 1 voll und ganz.
  • Bei einer Neuanschaffung auf die Energie-Effizienz des Gerätes achten.
Seltsam finde ich, dass in Kühlschränken noch keine LED-Beleuchtungen eingebaut sind. Natürlich eine Kleinigkeit, aber die 14,8 Watt der Glühbirne verbrauchen doppelt Strom: Die Abwärme der Lampe muss ja auch wieder aus dem Kühlraum geschafft werden. LEDs haben eine höhere Lichtausbeute und bleiben dabei nahezu kalt. Ok, ich gebe es ja zu... LEDs sind meine Schwäche. Weiß ja sowieso jeder hier.

>>Erster Teil der Serie.

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Dienstag, Januar 30, 2007

Eine radioaktiv-spannende Exkursion: +26,176 kg CO2

Der Eintrag kommt etwas spät, aber es geht auf die Prüfungszeit zu… Letzte Woche war ich mit dem Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und –technik auf großer Fahrt. Ziel der Exkursion waren Mannheim und Karlsruhe. Dort sind wir der Einladung der Firma Westinghouse geflogt, haben uns über Berufsaussichten in der Atomindustrie informiert, das Institut für Transurane (ITU) besucht und uns das Forschungszentrum Karlsruhe angesehen. Dort gab es unter andrem den Rückbau eines schnellen Brutreaktors zu sehen. Alles sehr, sehr spannend, interessant und aufregend.

Kilometerstand des Busses bei der Abfahrt in Aachen war 29574 Kilometer, der Endkilometerstand 30391 Kilometer. Der freundliche Herr Busfahrer hat mich beim Tanken den Kilometerstand ablesen lassen, sodass ich einen durchschnittlichen Diesel-Verbrauch von 20,71 Litern auf 100 Kilometern errechnet habe (es war ein ziemlich kleiner Bus). Auf die gesamte Fahrstrecke von 817 Kilometern macht das dann 169,20 Liter Dieselkraftstoff.

Wie in diversen Einträgen vorher setze ich die Verbrennung von Diesel mit 2,63 Kilogramm CO2 je Liter an. Macht dann also

2,63 kg CO2/l * 169,20 l = 444,996 Kilogramm CO2.

Verteilt auf alle 17 Expeditionsteilnehmer sind das pro Person 26,176 Kilogramm CO2.

Übernachtet haben wir in der Jugendherberge Mannheim und Karlsruhe. Gezwungenermaßen werde ich diese Emissionen (Essen, Heizung, Duschwasser) sträflich vernachlässigen. Ohne einen Blick auf den Strom- und Gaszähler (oder den Öltank) wären diese Werte schlichtweg unmöglich zu ermitteln.

Ich berechne die Exkursion also mit + 26,176 Kilogramm CO2. Kontostand damit +469,694 kg CO2.

>>Firma Westinghouse.
>>Forschungszentrum Karlsruhe.
>>Institut für Transurane (ITU).
>>Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und -technik an der RWTH.

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Freitag, Januar 19, 2007

Weihnachtsferien (III): + 75,233 kg CO2

Puh, das war nicht einfach…Beim letzte Teil der Weihnachtferien-Emissionsberechnung haben sich einige hart zu knackende Recherche-Nüsse aufgetan.

Mit einem sehr lieben Freund war ich nach Weihnachten im Urlaub. Auf der Suche nach etwas Schnee sind wir vom Schwarzwald aus für einem Tag dem Rhein in die Alpen gefolgt und waren im Skigebiet von Flims/Laax/Falera. Skifahren ist eine große Leidenschaft und wer weiß, wie lange wir das noch genießen können. Statt durch satten Schnee war die Bergwelt unter 3000 Metern vor Silvester eher durch eine schwarz-weiße Zebracharakteristik geprägt.

Also, das Leichte vorweg: Die „Fahrtkosten“. Mit unten schon erwähntem Opel Corsa (Baujahr 2004, 44KW-Maschine, spezifische Emissionen: 0,127 kg CO2/km) haben wir die Strecke Göppingen – Schönwald im Schwarzwald – Laax – Schönwald im Schwarzwald – Kniebis bei Freudenstadt – Göppingen zurückgelegt. Der Kilometerzähler dieses treuen Gefährts zeigte am Ende nun 932,8 Kilometer an, was in der Tat eine stattliche Strecke ist. Aber Urlaub ist Urlaub und bis zu den 3000 kg CO2 ist ja noch etwas Luft.

932,8 km * 0,127 kg CO2/km / 2 Personen = 59,233 kg CO2

Aber wie fängt man jetzt die Emissionsberechnung für einen Tag auf der Piste an? Nun ja… Viel Recherche und der Versuch einer Hochrechnung. Vielleicht, so dachte ich, kann man mit Werten aus dem Netz immerhin eine "Hausnummer" bekommen.

Mit ausbleibendem natürlichem Schneefall muss erst mal eine Runde Kunstschnee auf die Piste, bevor es losgehen kann. Erster Posten sind also die Schneekanonen. Das Skigebiet Flims/Laax/Falera beschneit etwa 7% der Pisten und verbraucht dafür pro Saison 300.000 Kilowattstunden1 . Der Emissionsfaktor im Schweizer Strommix liegt mit 150,6 g/KWh sehr niedrig2. Statt auf Elektrizität aus Kohle setzen die Eidgenossen auf Kernenergie und können zusätzlich viel auf Wasserkraft zurückgreifen.

Nun also der Rechner gezückt:
300.000 KWh * 0,1506 kg CO2/KWh = 45,18 Tonnen CO2

Auf den Seiten der “Weißen Arena AG” – der Betreiberfirma des Skigebietes in Laax – findet man auch schnell die durchschnittliche Anzahl von Besuchern in der Wintersaison: 8.000 Skifahrer und Snowboarder tummeln sich pro Tag auf den Laaxer Abfahrten3. Letztere sitzen eigentlich mehr auf der Piste, aber Kunstschnee brauchen ja im Endeffekt alle. Die Wintersaison 06/07 dauert vom 21. Oktober 2006 bis zum 15 April 2007, das sind insgesamt 177 Tage4 .

Damit verteilen sich die Emissionen in einer Saison auf
177 Tage * 8.000 Besucher/Tag = 1.416.000 Besucher
Sind also 45.180 kg CO2 / 1.416.000 Besucher = 32 Gramm CO2 je Besucher.

Als nächstes stehen die Bergbahnen an. Leider gibt es auf den Seiten der „Weißen Arena AG“ keine Aufstellung über die technischen Daten der Anlagen. Schade… Allerdings hat Arosa ein Skigebiet vergleichbarer Größe und liegt wie Laax ebenfalls im Schweizer Kanton Graubünden. Ich gehe also davon aus, dass sich die Anlagen ähneln. Hier stehen technische Angaben im Internet: Laufen in Arosa alle Bergbahnen unter Volllast, haben sie zusammen eine Antriebsleistung von 4.550 Kilowatt5. Einmal angenommen, diese Anlagen sind alle von morgens acht Uhr bis Nachmittags um 17 Uhr, das wären dann neun Stunden, in Betrieb, läge der Energieverbrauch bei:

4550 KW * 9h = 40.950 KWh pro Tag

Mit besagtem Emissionsfaktor von 0,1506 kg CO2/KWh und den 8.000 Besucher aus Laax ergibt das:

40.950 KWh * 0,1506 kg CO2/KWh / 8.000 Besucher = 771 Gramm CO2 je Besucher.

Diese Werte scheinen mir sehr niedrig zu sein, allerdings sind sie plausibel. So heißt es zum Beispiel in einer Veröffentlichung des Kantons Luzern, der Energieverbrauch der Beschneiungsanlage der Bergbahnen in Sörenberg lägen bei rund 80.000 KWh/Saison und damit bei 4% des Verbrauchs der Bahnen und Lifte6. Das Skigebiet von Sörenberg ist nun natürlich wesentlich kleiner als die „Weiße Arena“, die Saison dauert hier 122 Tage7. Ein Überschlag ergibt dann einen Tagesenergieverbrauch von:

80.000 KWh * 100/4 / 122 Tage = 16.393 KWh pro Tag.

Trotzdem, ob plausibel oder nicht, diese Zahlen sind trotzdem nur abgeschätzt und konstruiert. Und weder Bergbahnen noch Schneekanonen werden die großen CO2-Schleudern sein. Was ist aber mit den Gebäudeheizungen, Pendelbussen, Pistenbullis? Den Wasserpumpen, vielleicht Helikopterflügen, um Ersatzteile an ihren Einsatzort zu fliegen? Unmöglich, das alles abzuschätzen.

Also habe ich der "Weißen Arena AG“ eine liebe Email mit der Bitte um Mithilfe geschrieben. Gebeten habe ich um den Energieverbrauch der letzten Wintersaison. Energie muss ja bezahlt werden, Ausgaben müssen für die Aktionäre aufgeschlüsselt werden, also war ich der Ansicht, solche Zahlen müsse es geben. Und wo man die Energie einkauft, sollte auch bekannt sein.

Guten Tag Herr Garbrecht

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage.

Wir haben uns Ihr Projekt angeschaut, es ist sehr interessant, eine tolle Arbeit. Uns ist bewusst, dass Sie für die Ausführung Ihres Projektes Werte benötigen. Leider verfügen wir nicht über solche Werte in der gewünschten Form und bedauern sehr Ihnen nicht weitere Angaben machen zu können.

In der Hoffnung, dass Sie andersweitig mit Ihrem Projekt weiterfahren können wünschen wir Ihnen viel Erfolg und einen erlebnisreichen Winter.

Es freut uns sehr zu hören, dass Sie gerne in unserem Skigebiet sind und hoffen Sie werden in LAAX weiter viel Spass erleben.

Freundliche Grüsse

Alessia Caflisch
Empfang/Customer Service

Nun ja... Schade. Allerdings verstehe ich natürlich, dass es sich dabei um ein sensibles Thema handelt und es wahrscheinlich auch mit einem ziemlich großen Arbeitsaufwand verbunden wäre, diese Werte rauszusuchen. Zum Glück bin ich - kurz vor der Resignation - auf eine Pressemitteilung gestoßen8…

Nur ein paar Kilometer von Laax entfernt, in der Gemeinde Arosa, ist man - was den Klimaschutz anbelangt - wesentlich fortschrittlicher. Letzten Sommer hat die Bergregion mit massiven Berg- und Felsstürzen wegen des auftauenden Permafrostbodens in großer Höhe zu kämpfen gehabt. Damit kam man dort zur eigentlich ziemlich simplen Erkenntnis, dass Skigebiete in den Alpen wohl die Ersten sind, die eine globale Erwärmung zu spüren bekommen. Deshalb bietet Arosa seit dieser Saison „klimaneutrale Winterferien“ an – nach eigenen Angaben als erstes Touristenziel in den Alpen. Bei der ClimatePartner GmbH aus München wurde im Sommer eine Studie9 in Auftrag gegeben, die den CO2-Ausstoß von Hotels, Bergbahnen und Anreise errechnet. In einem Fragebogen können Urlauber in Arosa freiwillig Angaben zu Anreise, Hotel und Aktivitäten machen. Die dann errechneten CO2-Emissionen werden in ausgewählten Klimaprojekten wieder neutralisiert.

Teil des Projektes ist eine Homepage10, unter anderem mit einem Rechner11 für im Skiurlaub verursachte Emissionen. Leider ist dieser für mich nutzlos, da ich weder in Arosa übernachtet, noch Hallenbäder oder Saunen besucht habe. In oben genannter Studie werden allerdings die durch den Pistenaufenthalt verursachten Treibhausgasemissionen angegeben – allerdings ausdrücklich nur abgeschätzt:

16 kg CO2 für den eintägigen Aufenthalt im Skigebiet.

Das erscheint mir in der richtigen Größenordnung zu sein. Ich vermute, dass die Heizung in diversen Gebäuden vor allem auf dem Berg ein großer Posten davon sein wird. Dann sind da noch jede Menge Fahrzeuge, von Bussen bis hin zu Pistenbullis. Und natürlich die 771 Gramm CO2 der Bergbahnen und die 32 Gramm CO2 der Beschneiungsanlage nicht zu vergessen.

Da die Skigebiete Laax und Arosa, wie gesagt, von ihrer Größe und Lage vergleichbar sind, übernehme ich diese Zahl. Ich bin mir allerdings bewusst, dass sie wohl nicht exakt den verursachten Emission entspricht, aber es vermittelt doch einen guten Eindruck der Größenordnung.

Fazit: Der Tag in den Alpen belastet mein Konto mit 75,233 Kilogramm CO2 (Anfahrt und Skifahren) und das war er auf jeden Fall wert. Die Idee des Tourismusverbandes von Arosa, Klimaneutralität zu einem Werbelabel und somit zu einem Wettbewerbsvorteil zu machen finde ich eine super Idee. Für mich ein eindrucksvoller Beweis, dass sich ökologische und ökonomische Interessen nicht zwangsläufig beißen müssen.

Aktueller Kontostand ist: +442,855 kg CO2.

Hier noch alle Quellenangaben:

>> Zum Thema Schneekanonen [1].
>> Energie und CO2 in der Schweiz [2].
>> Zahlen der "Weißen Arena" [3].
>> Informationen zu Lifttickets in Laax [4].
>> Technische Daten Bergbahnen Arosa [5].
>> Entwurf einer Änderung des Energiegesetztes [6].
>> Informationen zu Lifttickets in Sörenberg [7].
>> Pressemitteilung Arosa [8].
>> Klimastudie Arosa [9].
>> Klimaneutrale Winterferien in Arosa [10].
>> Emissionsrechner Arosa [11].

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Dienstag, Dezember 12, 2006

Was verbraucht eigentlich… (I)

… ein Deckenfluter?! Wenn man sich in diesen Tagen durch den abendlichen Aachener Regen schlägt, flimmern sie in jeder Altbauwohnung auf: Deckenfluter. Hübsch, praktisch und hell, eine Zierde der Gattung "Stehlampe". Sehr schön anzusehen in hohen Jugendstilwohnungen. Natürlich steht auch in meiner Bude ein solches Modell, wenn auch in der Studentenausführung. Während im Sommer oben am Glaskolben die Mücken bei der kleinsten Berührung verbrutzeln, lässt sich unten am Drehknopf das Licht dimmen. Von romantisch, schummrig bis zu grell, baustellig ist alles drin.

Sonnenaufgang im Deckenfluter... Doch wie viel Strom verbraucht so eine schmucke Beleuchtung eigentlich? Stehen in Aachens Jugendstilwohnungen wohlmöglich lauter kleine CO2-Schleudern?

Mit meinem neuen Lieblingsspielzeug, einem Leistungsmessgerät, möchte ich Elektrogeräten nun mal auf die Schliche kommen und sehen, wie die Stadtwerke eigentlich auf 1300 Kilowattstunden pro Jahr kommen. Opfer des heutigen Tages, wie angekündigt: Der Deckenfluter.

Das Messgerät lässt sich komfortabel und kostenlos beim Stromanbieter ausleihen, gibt es aber auch bei Ebay oder in jedem gutsortieren Baumarkt. Einfach zwischen Steckdose und Verbraucher gesteckt und schon lässt sich die aktuelle Leistung oder – über einen bestimmten Zeitraum – auch der Energieverbrauch ablesen. Die Deluxe-Version zeigt zusätzlich noch die entstehenden Kosten, Leistungsschwankungen und die Betriebsdauer an und hat statt einem sogar ganze drei Knöpfe. Wirklich ein Kinderspiel.

In der ersten Einstellung ist nun Festbeleuchtung angesagt. Alles voll aufgedreht, Licht flutet über Wäscheberg und Schreibtisch. Man sieht mehr als man sehen möchte. Dieses Spektakel macht die Nacht zum Tage.

Ein Blick auf das Messgerät verrät stolze 325,3 Watt. Das ist viel. Viel im Vergleich zu einer 11 Watt Energiesparlampe und auch noch viel zu meinem 100 Watt Deckenstrahler. Die CO2-Emissionen im bundesdeutschen Strommix beliefen sich auf 179 Gramm pro Betriebsstunde (0,3253KWh/h*550g/KWh).

Aber es muss ja nicht immer das grelle Tageslicht-Äquivalent in der Stundentenbude sein. Gediegene Post-Kneipentour-Beleuchtung hat einen nicht zu verkennenden Romantik-Faktor.

Der Wohlfühlbonus geht allerdings für’s laute Trafobrummen am Dimmer wieder drauf, und auch die Messwerte sind nicht umwerfend. Diese schummrige, naja, ich nenn es mal Licht-Dekoration setzt noch immer 110,8 Watt (entspricht 61 Gramm CO2 pro Stunde) um. Keine überwältigende Lichtausbeute, aber auch nachvollziehbar. Schließlich ist der Wirkungsgrad von Hologenleuchten Temperaturabhängig und erreicht sein Optimum bei etwa 3000K.

Fazit: Ja, Deckenfluter sind Energieschlucker, sogar und gerade im gedimmten Zustand (relativ zur auf den Studenten wirkenden Helligkeit). Trotzdem sind sie schön anzusehen. Es lohnt sich allerdings, den Verbrauch und die damit verbundenen Emissionen im Hinterkopf zu behalten - wenn man zum Beispiel aus dem Zimmer verlässt. Ach so, es sei denn, das Zimmer soll beheizt werden. Der Großteil besagter 325 Watt geht natürlich in Wärme verloren – im Gegensatz zu kalten LEDs. Schöne neue Lampenzukunft, wir warten…

>> Messgerät von Greenpeace Energy.

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Freitag, November 03, 2006

Klimavorhersage im Hintergrund

Läuft dein Rechner auch Tag und Nacht, 24 Stunden rund um die Uhr? Dann solltest du dir mal ein paar Sekunden Zeit nehmen und dich beim ClimatePrediction.net Projekt anmelden. Denn nur in wenigen Momenten benötigt der PC wirklich die Leistung, die ihm zur Verfügung steht. Meistens dümpelt der Prozessor friedlich im Leerlauf vor sich hin. Eigentlich eine riesige Verschwendung von Rechenleistung, insbesondere, wenn man bedenkt, dass sie bei aufwändigen Klimasimulationen noch fehlt. Genau das dachten sich auch einige schlaue Köpfe an der Berkley University in Kalifornien und schufen den BOINC-Client. Dieses Programm läuft permanent auf deinem Rechner und stellt die im Moment nicht benötigte CPU-Leistung wissenschaftlichen Projekten zur Verfügung. Hast du kurz vor Mitternacht deine Pizzapause hinter dir und möchtest die Nacht durchzocken, macht das Programm wieder bereitwillig Platz.

An genau dieser Stelle kommt die Klimaforschung ins Spiel. Mit ClimatePrediction.net hat die BBC das weltweit größte Klimavorhersage-Projekt gestartet. Auf tausenden Privat-PCs laufen seit dem Klimasimulationen. Als Bonus lässt sich das Programm auch klasse als richtig stylischen Bildschirmschoner verwenden:


Die Anmeldung ist ziemlich einfach und auf der Homepage auch gut beschrieben. BOINC-Client runterladen, bei ClimatePrediction.net anmelden und stundenlang zusehen, wie sich das Klima (Hoffentlich nur in der Simulation) entwickelt.


>>Homepage des Projektes
>>Mehr Informationen über ClimatePrediction.net auf Wikipedia
>>Mehr Informationen bei der BBC

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