Dienstag, Juni 26, 2007

Exkursionen: +20,705 kg CO2

In den letzten Wochen – das Semester neigt sich dem Ende zu – haben einige ziemlich spannende Exkursionen stattgefunden. Und da die faulen Studenten heutzutage einfach nicht genug trainiert sind, um solche Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen, sind zwangsläufig auch CO2-Emissionen angefallen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Das Rheinland ist zwar flach, trotzdem war es sehr angenehm, im gemütlichen Bus zu sitzen. Auch wenn die Jungs von der Fahrbereitschaft einen ordentlichen Bleifuß haben. Hier nun also die Abrechnung der „Fahrtkosten“.

Die erste Exkursion führte zum Braunkohlekraftwerk in Niederaußem und zur Baustelle der beiden neuen BoA-Blöcke (Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik) in Neurath. Besonders spannend: Der interessante Block in Niederaußem war zu der Zeit in Revision, so war zum Beispiel ein sonst natürlich verwehrter Blick in den Kessel möglich. Die BoA-Blöcke demonstrieren, welche Wirkungsgrade an Braunkohlekraftwerken heute Stand der Technik sind: 43% und knapp darüber. Das ist wirklich signifikant mehr als bei älteren Kraftwerken, deren Wirkungsgrad bei teilweise um die 30% liegt. Trotzdem liegen die CO2-Emissionen aus Braunkohleverstromung pro Kilowattstunde wesentlich höher als bei anderen Energieträgern. Klar, ein hoher Kohlenstoff-Anteil bedeutet natürlich viel CO2 bei der Verbrennung. Wirkungsgradsteigerung ist deshalb nicht die einzige Strategie, um Kohlestrom klimaverträglich zu machen: CO2-Abscheidung und Speicherung lautet eine der Zauberformeln. Bisher ist das aber eher Zukunftsmusik und Beschäftigung für viele Wissenschaftler (und Hiwis). Deshalb warnte die EU unlängst vor dem Bau neuer Kraftwerke in Deutschland. „Wer heute noch neue Kohlekraftwerke baut, muss sich im Klaren sein, dass eine solche Politik uns alle langfristig teuer zu stehen kommt“, sagte Umweltkommissar Stavros Dimas (Link zum Artikel).

Die 127,57 Kilometer (falk.de) lange Strecke von Aachen nach Niederaußem und zur Baustelle in Neurath haben wir mit einem vollbesetzten Kleinbus der Fahrbereitschaft zurückgelegt. Nach Herstellerangaben emittiert der eingesetzte VW LT 35 pro Kilometer 289 g CO2. Geteilt durch acht Passagiere ergibt das:

127,57 km * 0,289 kg CO2 / 8 P = 4,608 kg CO2

Die zweite Exkursion führte wieder nach Niederaußem, diesmal war der BoA-Block allerdings in Betrieb. Sehr beeindruckend - eine größere Maschine als ein Kraftwerk gibt es fast nicht. Allein der Kessel misst 23 Meter x 23 Meter x 160 Meter. Vorher stand noch ein Rundgang über die riesige Kraftwerksbaustelle in Neurath auf dem Programm. Das hat ein bisschen was von einem gigantischen Sandkasten: Baumaschinen, ein neues Kraftwerk und jede Menge Schlamm. Quasi ein Spielplatz für erwachsene Jungs.

Die Fahrstrecke von 145,96 Kilometern haben wir dieses Mal mit einem Reisebus zurückgelegt – die Gruppe war erheblich größer. Der internationale Bustouristik Verband RDA gibt die durchschnittlichen Emissionen von Reisebussen mit 23,5 Gramm CO2 je Personenkilometer (Stand 2003) an. Das bedeutet:

145,96 km * 0,0235 kg CO2/km = 3,430 kg CO2

Außerdem stand in der Exkursionswoche noch ein Besuch im Braunkohle-Tagebau Garzweiler an. Schon allein die Fahrt runter in dieses riesige Loch ist beeindruckend, bis zu fast 200 Meter tief haben sich die Bagger gefressen. Der Betreiber RWE muss einen gigantischen Aufwand für Rekultivierung der Landschaft und die Umsiedlung der Anwohner betreiben. Das Grundwasser muss aus dem Tagebau und wieder in die umliegenden Feuchtgebiete gepumpt werden. Da drängt sich die Frage auf, wie all das überhaupt wirtschaftlich rentabel sein kann. Quadratkilometergroße Löcher zu buddeln, mit riesigen Maschinen die Braunkohle abbauen und diese schließlich klimaschädlich zu verstromen, das muss dem gesunden Menschenverstand absurd vorkommen. Dabei gibt es zugenüge Alternativen zu Kohlekraftwerken: Neben der Stromgewinnung aus neuen, inhärent sicheren Hochtemperaturreaktoren (HTR) bieten sich zum Beispiel im Mittelmeerraum solarthermische Kraftwerke an. Letztendlich hängt alles – genau wie bei allen anderen regenerativen Formen der Stromerzeugung – an der Frage, wie viel wir in Zukunft für unsere Energie ausgeben wollen. Momentan kostet die Kilowattstunde Ökostrom 19 Cent (den Stromanbieter wechseln ist einfach). Das ist mehr als konventionell erzeugter Strom, trotzdem halte ich den Preis für fair. Denn auch die größten Unternehmen werden durch den Konsum ihrer Kunden gelenkt. Ein Umdenken bei den Energiekonzernen wird es wohl erst geben, wenn auf dem Markt der Bedarf an klimafreundlichem Strom vorhanden ist. Setzten wir vermehrt auf Kohlestrom, einfach weil es billiger ist, werden die Emissionen der Kraftwerke (momentan etwa 40% der gesamtdeutschen Emissionen) steigen. Ein Kraftwerk, das heute ans Netz geht, ist auf eine Laufzeit von mindestens 40 Jahren ausgelegt.

Für die Fahrt nach Garzweiler (157,12 Kilometer) haben wir uns auch wieder eines Reisebusses bedient:

157,12 km * 0,0235 kg CO2/km = 3,692 kg CO2

Eine weitere spannende Exkursion hat uns nach Köln zur Deutz AG geführt. Auch diese 159 Kilometer haben wir mit einem Reisebus zurückgelegt, daher berechnen sich die Emissionen wie folgt:

159 km * 0,0235 kg CO2/km = 3,737 kg CO2

Die letzte Exkursion ging in die Niederlande. Nach dem Besuch einer Heizkörperfertigung (hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, wie skurril es aussieht, wenn zu „Money for Nothing“ Heizkörper an Haken durch eine Fertigungshalle schweben?) und ihrer wirklich unglaublich netten Mitarbeiter hat uns die Fahrbereitschaft nach Buggenum chauffiert. Dort steht eines von weltweit nur fünf IGCC-Kraftwerken (Integrated Gasification Combined Cycle – zu Deutsch: Gas- und Dampf-Prozess mit vorgeschalteter Kohlevergasung). Der Vorteil an diesem Kraftwerkstyp ist, dass der Aufwand der CO2-Abtrennung im Vergleich zu anderen Kraftwerken erheblich vermindert wird. Deshalb ist IGCC neben Oxyfuel (Verbrennung im O2/CO2-Athmosphäre) eine mögliche Strategie zur bereits oben erwähnten CO2-Abscheidung und Speicherung – und damit auf jeden Fall ziemlich spannend. Vom Prozess selber war leider nicht besonders viel zu sehen, wir durften nur mit ehrfürchtigem Sicherheitsabstand einmal um den Kohlevergaser pilgern.

Die Fahrstrecke belief sich an diesem Tag auf 145 Kilometer – wie bereits erwähnt, sportlich zurückgelegt mit der Fahrbereitschaft:

145 km * 0,289 kg CO2 / 8 P = 5,238 kg CO2

Um nun Bilanz zu ziehen, die vielen Exkursionen schlagen mit insgesamt 20,705 Kilogramm CO2 auf das Konto, dessen Stand sich nun auf +1153,650 Kilogramm CO2 beläuft. Bewertend lässt sich zusammenfassen, dass der Reisebus mit 23,5 Gramm je Personenkilometer nur von Yukon schlagbar niedrige spezifische Emissionswerte hat. Die Firma Scania hat im Mai übrigens ihren Ethanol-Hybridbus vorgestellt. Im Betrieb mit Bio-Sprit gelangt kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre – lediglich die Menge, welche die verarbeiteten Pflanzen vorher aufgenommen haben wird emittiert. Steigt der Busfahrer in die Eisen, geht die Energie nicht vollständig als Abwärme in den Bremsen verloren, sondern wird mit einem Generator zurückgewonnen und in Batterien gespeichert. Den Strom nutzt ein Elektromotor, der bei der Beschleunigung dem konventionellen Antrieb zugeschaltet wird. Kommentar auf der Firmenhomepage: „Scania sieht keinen Grund dafür, auf andere neue Kraftstoffe und Technologien zu warten, die vielleicht in zehn Jahren verfügbar sind.“

Vielen Dank an dieser Stelle an Kristin für die Fotos – einen Fluch ans StudiVZ, dort musste ich tief im HTML-Quellcode wühlen, um an die Bilder zu kommen.

>> Scania Ethanol-Hybridbus.

>>Illustrationsfotos: Kristin (3), RWE (2).
>>EU warnt Deutschland vor Bau neuer Kohlekraftwerke (ZDF).
>>Homepage von RWE Power.
>>Bus und Umwelt (RDA).
>>Umweltfakten über den Bus (RDA).
>> Die VW-Heize der Fahrbereitschaft.
>>Heizkörperfertigung bei Stelrad.

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Samstag, Juni 16, 2007

Europastadt Maastricht: +2,934 kg CO2.

Im Großen und Ganzen kann man ganz vorsichtig sagen, dass das Aachener Umland nicht besonders reich an Attraktionen ist. Nun wohne ich ja noch nicht allzu lange hier Rheinland und habe mich deshalb mit drei anderen „Neulingen“ auf den Weg gemacht, die Umgebung zu erkunden. Ziel war die Europastadt Maastricht in den Niederlanden.

Unterwegs waren wir mit einem besonders klimafreundlichen Opel Astra Diesel. Laut CO2-Leitfaden der DAT stößt dieser Wagen pro Kilometer 157 Gramm CO2 aus. Trotz 120 PS sind das pro Passagier nur knapp 40 Gramm pro Kilometer – und damit nur etwa halb soviel wie die Deutsche Bahn im Nahverkehr mit 98 g CO2/km.

Die gefahrene Strecke habe ich mithilfe von falk.de rekonstruiert, sie beläuft sich auf 74,76 Kilometer. Die Fahrkosten für mein CO2-Konto belaufen sich also auf:

74,76 km * 0,157 kg CO2/km / 4P = 2,934 kg CO2.

Maastricht hat etwas, auf das die Öcher (Aachener Eingeborenen) sehr neidisch sind: Einen Fluss. Die Maas, wie der Name schon sagt. Und eine lustige, lang gezogene Insel zwischen zwei Brücken, von der bestimmt schon hunderte betrunkener Studenten ins Wasser geplumpst sind. Vielleicht ist es in diesem Sinne auch sicherer, doch keinen großen Fluss zu haben. Der Johannesbach bei der Pontstraße ist ja Gefahr und Kick genug. Neuer Kontostand ist übrigens: +1132,945 kg CO2.

>>DAT-Leitfaden zu CO2-Emissionen.
>>Illustrationsfoto.

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