Freitag, November 10, 2006

Der Winter steht vor der Doppelverglasung

Ja, endlich wird es Winter! Neben Schnee (hier eher Matschregen), Weihnachten und lecker Tee mit Rum ist das auch die Jahreszeit der ansteigenden CO2-Konzentration. In erster Linie hat das eine rein natürliche Ursache. In der nördlichen Hemisphäre liegt der Großteil der Landmassen, folglich auch der Großteil der Pflanzenvegetation. Wie unschwer festzustellen ist, verliert Gebaum und Gestrauch nun seine Blätter - und diese werden zu... Genau! CO2. Der Pflanzenwuchs im Frühling der südlichen Hemisphäre reicht nicht aus, um diesen Anstieg zu kompensieren. Alles ganz natürlich und kein Grund zur Sorge.

Womit wir nun einmal einen Blick auf unsere Mehremissionen in der kalten Jahreszeit werfen sollten. Denn: Über ein Drittel unseres Primärenergiebedarfs verpulvern wir in "wertlose" Wärme.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich beim Recherchieren dieser Zahlen selber sehr erstaunt war. Um keine Halbwahrheiten zu präsentieren, stammen alle Daten aus verlässlicher Quelle: Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und beziehen sich auf das Jahr 2004.

Der Anteil aller privater Haushalten in Deutschland am Endenergieverbrauch macht insgesamt 30,1% aus. Davon sind ganze 75,5% im wahrsten Sinne des Wortes "heiße Luft" - also Raumwärme. Weitere 11,3% jagen wir als Warmwasser durch den Abfluß. Strom schlägt lediglich mit 7,1%, Beleuchtung mit 1,5% zu Buche. Das bedeutet: 32,8% der deutschen Primärenergie (diese Zahl einschließlich Industrie und Handel) geht für's Heizen drauf - der Großteil davon natürlich im Winter.

Nun stellt sich für mich die Frage: Wo ist die Stellschraube, an der wir drehen können, um unsere CO2-Emissionen zu reduzieren? Energiesparlampen (ohne Frage eine prima Sache!) mit 1,5-facher Wirkung oder unser Heizverhalten mit 32,8-facher Wirkung?

Ich finde, dass diese Aufstellung nachdenklich macht. Und, wie niemand von euch, möchte ich morgens auf meine heiße Dusche verzichten. Trotzdem gibt es einfache Möglichkeiten, die Emissionen aufgrund von Heizungen zu reduzieren.
  • Erster Schritt ist, sich ob der heizungsbedingten Emissionen bewusst zu werden. (Erfolgreich erledigt, wenn der obere Abschnitt gelesen)
  • Muss die Raumtemperatur wirklich 22°C sein? Reichen nicht auch 19°C und ein Pulli? Wenig genutze Räume brauchen doch eigentlich auch nicht so stark beheizt werden.
  • Fenster auf Kipp bedeuten, dass es draußen auf der Straße wärmer wird. Nicht aber in der Wohnung. Das mag in Schwaben bei Kehrwoche das Schneeschippen ersparen, der Rest der Republik hat aber keine Ausrede. Denn die meisten Heizkörper sind genau unter Fenstern. Die warme, aufsteigende Luft wird sofort nach draußen gezogen. Lieber die Heizkörper ausstellen und Stoßlüften.
  • Nachts Fensterläden oder Rolländen schließen. Das hält nicht nur die katerunfreundliche Morgensonne vom studentischen Bett fern, an die Fenster kommt so keine kalte Zugluft mehr. Wärmeverluste können bis zu 20% reduziert werden.
Ich habe in meiner Wohnung momentan angenehme 18,3°C. Meine Heizkörper habe ich noch nicht angeschaltet - dank Altbausanierung mit Wärmedämmung und Doppelverglasung. Die sonnenzugewandte Rückseite des Hauses ist mit schwarzen Platten verkleidet, die sich auch im Winter schön aufwärmen. Ein Stockwerk über und unter mir, sowie direkt angrenzende Stadthäuser minimieren abstrahlende Wärme. Die Abwärme des Gasdurchlauferhitzer für das Warmwasser, mein Rechner und nicht zuletzt auf die Lampen reichen momentan noch als Heizleistung.

Ich bin gespannt, wann ich meine Heizkörper anschalte. Natürlich möchte ich für einen möglichen Skiurlaub CO2 sparen, deshalb postuliere ich hier nun: Heizung bei mir erst ab 15°C Raumtemperatur. Dann aber dringend... Ab dem 24. November ist übrigens der Aachener Weihnachtsmarkt zentrale Glühwein-Anlaufstelle für alle Frierenden.


Wer nachrechnen möchte oder eine Anregung zum intelligenten Heizen braucht, schaue bitte auf:

>>BMWI Energiedaten
>>http://www.donnerwetter.de/ecke/neueenergien/041017.htm

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